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Unvergänglichkeit und Perfektion

Nichts verschwindet wirklich von unserer Welt. Wer das behauptet, hat keine Ahnung. Das, was passiert, ist viel mehr ein ewiger Wandel, dem alles unterworfen ist. Die Dinge ändern sich, und damit können nicht nur die allgemeinen Zustände gemeint sein. Ein Wald den man niederbrennt verschwindet nicht, das wäre Irrsinn, wer glaubt einem Zauberer, der einem erzählt, dass er einen ganzen Wald einfach verschwinden lassen kann? Und schließlich behauptet auch niemand, dass Wasser verschwindet, wenn es den Aggregatzustand ändert und zu Eis gefriert. Er ist nur ganz einfach kein Wald mehr, sondern die Asche, die den Boden bedeckt. Kann einen das angesichts der schwindenden Regenwälder trösten? Natürlich nicht, aber das ist es nicht worum es geht. Heutzutage geht es nicht um Trost, darüber sind wir hinaus, darum ging es auch nie. Das ahnungslose Verbrennen von Dingen kann uns gleich von diesem Punkt zum nächsten überleiten. Einige von euch erinnern sich vielleicht an den Sturz des Klosters in Nepal, das von fremden Soldaten einfach niedergerissen wurde… und auch an die einzigartigen Schriften, die dabei den Flammen überantwortet wurden. Meiner Behauptung zufolge, sind es nicht die Bücher die verloren gingen. Es waren die Worte, die geschrieben, präziser: Die Gedanken, die darin festgehalten waren.  Denn das ist das Einzige, was wirklich vergänglich ist, und zugleich das Einzige, das wirklich Potenzial zur Unvergänglichkeit hat: Gedanken, Erinnerungen, Werte, Kulturen. Der sicherste Platz dafür, und auch der einzig Richtige, sind immer noch die Köpfe der Menschen.

Kant hat uns beigebracht, dass nur Unvergänglichkeit Perfektion ist, und Perfektion ist nur Unvergänglichkeit. Das Unvergängliche ist das, woran wir uns Vergängliche messen können. Wenn nichts in der Natur wirklich jemals vergeht, dann sollte die Welt in ihrer behäbigen Beständigkeit vielleicht das sein, wonach wir uns richten, wenn sie doch das Maß ist, an dem man uns irgendwann messen wird, das einzige Maß, das bleibt. Ich bin kein Rettet-die-Blümchen-Fanatiker, aber die Tendenz erscheint beunruhigend.

26.6.11 23:14


Mit Blindheit geschlagen...

Ist es zu fassen, wie unheimlich flach die Leute sind? Und ich rede hier nicht von Ausnahmen, ich rede von der Regel. Wir alle kennen jemanden, dessen Eigenheiten wir beinahe so gut einschätzen können wie unsere eigenen, meistens sogar besser. Wir wissen was er tun wird und wir wissen auch warum.

Aber habt ihr euch schon mal die Mühe gemacht, bei anderen bewusst darauf zu achten?

In Allgemeinen ist es ja so, wie mein liebster Satiriker Tucholsky gesagt hat: Menschen haben zwei Überzeugungen. Eine, wenn es ihnen gut geht und eine, wenn es ihnen schlecht geht.
Das ist an und für sich ja nur menschlich, und niemand würde etwas dagegen sagen... Aber wie kann es sein, dass das den Menschen so gar nicht bewusst ist?

Die Leute laufen blind durch ihr Leben, blind für andere- aber vor allem für sich selbst! Wer ist sich schon wirklich bewusst, warum er tut, was er tut? Wir entscheiden uns prinzipiell für die Option, bei der wir das bessere Gefühl haben. Stimmungs- und Meinungsumschwünge begründen wir mit flachen ausreden, die ganz offensichtlich fehlerhaft sind. Macht sich jemand deshalb die Mühe, uns zu widersprechen? Nein. Nach der Krone der Schöpfung, der ersten bewusst denkenden Spezies klingt das nicht.

Dabei sind wir doch alle durchaus fähig, darüber nachzudenken und  auf analytischer Basis Entscheidungen zu treffen, Uns allen ist klar, dass Menschen auf das was wir tun nicht immer fair oder auch nur logisch reagieren. Wenn wir nett sind, dann heißt das nicht, dass wir nur Nettes zurückbekommen. Trotzdem gehen wir, sei es nun aus Naivität, Egozentrik oder einfach aus Dummheit, prinzipiell davon aus, dass unsere Taten mit entsprechenden Reaktionen honoriert werden. Schade, dass unsere Gesellschaft so gar nicht darauf ausgelegt ist...

Unsere gedankenlose, stimmungslastige Launenhaftigkeit hat unweigerlich zur Folge, dass jegliche Art von Idealen und Zielen auf der Strecke bleibt- und ohne das, ohne etwas, um darauf zuzuarbeiten... wofür lohnt sich dann der ganze Unsinn, den wir verzapfen? Man havariert zusehends in einem Meer aus Möglichkeiten. Ohne Überzeugungen denen man treu bleibt, wenn man nichts hat, um sich daran fest zu halten, wie entscheidet man da zwischen richtig und falsch?

Klar. Was alle tun ist richtig. Worauf das hinausläuft wissen wir, nicht wahr? Trotzdem ist das noch immer die vorherrschende Meinung, und wer könnte es den Leuten verdenken? In einer so gedankenlosen Welt...

...Und wenn man ganz ehrlich ist: Zu viel nachdenken ist auch nicht gesund.   

 

1.6.11 15:54





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